Bedeutung von Outing & Coming-out

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Fragst du dich, was ein Coming-out ist oder was Outing bedeutet? Und ob es hierbei einen Unterschied gibt? In diesem Beitrag findest du Antworten auf genau diese Fragen und z.B. darauf, welche Gründe es geben kann, sich (noch) nicht outen zu wollen oder zu können.
Die Begriffe Coming-out und Outing werden oft im Zusammengang mit der LSBTTIQ+ Gemeinschaft verwendet, da in unserer Gesellschaft häufig angenommen wird, dass Menschen cisgender und heterosexuell sind – also, dass sich Menschen immer mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugeteilt wurde, und dass eine sexuelle Beziehung nur zwischen Mann und Frau besteht. Doch diese Annahmen spiegeln nicht die tatsächliche Gesellschaft wider, in der wir leben – denn unsere Welt ist von Natur aus weitaus vielfältiger.

Coming-out

Der Begriff Coming-out leitet sich vom Englischen to come out (herauskommen) ab. Damit ist der Prozess gemeint, in dem sich eine Person über ihre eigene sexuelle oder auch geschlechtliche Identität bewusst wird. Dieser Begriff gilt für Menschen, die nicht heterosexuell sind und/oder sich nicht (nur) mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Gleichzeitig wird mit einem Coming-out der Moment beschrieben, in dem die betroffene Person zum ersten Mal offen über die eigene sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität spricht, z.B. mit Freund:innen, Familienmitgliedern, Kommiliton:innen oder Kolleg:innen.

Das Coming-out ist ein wichtiger Schritt für viele Menschen, die sich dazu entschließen, ihre Sexualität oder auch geschlechtliche Identität öffentlich zu machen. Ob und wann eine betroffene Person diesen Schritt gehen möchte, ist hierbei jedoch ihr selbst überlassen. Dieser Schritt ist so bedeutsam, da der Person dadurch ermöglicht wird, ihre Identität und Sexualität selbstbewusst zu akzeptieren, diese offen auszuleben und ganz sie selbst sein zu können. Im Gegensatz dazu erleben Personen, die sich (noch) nicht geoutet haben, oft erhebliche Belastungen, wie beispielsweise die folgenden:
  • das Verheimlichen von bestimmten Aktivitäten, Hobbies und Vorlieben, z.B. wenn alle im Kommiliton:innen-/Kolleg:innen-Kreis von ihrem Wochenende erzählen                                        
  • die Einschränkung der Selbstentfaltung, z.B. auf Grund des Gefühls, sich nicht vollständig ausdrücken zu können und die eigene Persönlichkeit verbergen zu müssen 
  • psychische Beschwerden, da das Verstecken eines Persönlichkeitsteils zu einer Selbstverleugnung und damit z.B. zu Selbsthass, fehlender Selbstliebe und -akzeptanz führen kann

Für viele Betroffene ist dieser Moment daher eine befreiende Erfahrung und gleichzeitig auch eine, die mit Ängsten und Unsicherheiten verbunden ist. Aus diesem Grund ist es für sie in diesem Moment umso wichtiger, von außenstehenden Personen offen angenommen und unterstützt zu werden.
Hinweis: Coming-outs unterscheiden sich nicht nur individuell von Person zu Person, sondern sind auch abhängig von Umfeld, Zeitpunkt und danach, ob eine sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität öffentlich gemacht wird. Sich z.B. als trans zu outen hat oft – z.B. im Vergleich zum Coming-out einer homosexuellen Person – einen weitreichenderen Einfluss auf Angehörige und die betroffene Person selbst. Denn hiermit gehen oft auch Veränderungen wie z.B. die des Vornamens, Lebensstils oder auch Körpers einher.

Outing

Im Gegensatz zum Coming-out ist das Outing eine unerwünschte, unfreiwillige Offenlegung der Sexualität oder geschlechtlichen Identität durch eine andere Person, die einem traumatischen Ereignis gleichkommen kann. Jemanden zu outen geht mit der Verletzung der Privatsphäre und des Selbstbestimmungsrechts der betroffenen Person einher, da ihre sexuelle oder geschlechtliche Identität ohne ihre Zustimmung öffentlich gemacht wurde. Es ist daher unglaublich wichtig, den Unterschied zwischen einem fremdbestimmten Outing und selbstbestimmten Coming-out zu verstehen und zu respektieren. Denn jeder Mensch hat das Recht, frei und selbst zu entscheiden, wann, wie und ob er private Informationen von sich preisgeben möchte. Nicht zuletzt, da es von Person zu Person verschiedene, valide Gründe geben kann, sich (noch) nicht outen zu wollen oder zu können, z.B.:

  • der Wunsch der Trennung von Berufs- und Privatleben
  • die Angst davor, auf Grund der eigenen Sexualität oder Geschlechtsidentität diskriminiert zu werden
  • die Angst vor negativen Auswirkungen auf die eigenen Beziehungen, wie z.B. den Verlust von Freundschaften oder der Familie
  • die Angst vor negativen Auswirkungen auf Karrieremöglichkeiten oder dem Verlust des Jobs
  • die Angst vor Mobbing und Ausgrenzung
  • den Schutz der Privatsphäre und des eigenen Lebens (z.B. aus Angst vor einer strafrechtlichen Verfolgung oder Todesstrafe, wie es in einigen Ländern immer noch üblich ist)

Einen Teil von sich vor anderen geheim halten zu müssen, vor allem wenn es die eigene Persönlichkeit und das alltägliche Leben betrifft, ist für fast alle Menschen schwer. Und wir alle wünschen uns, dass es ganz allein unsere eigene Entscheidung bleibt, ob wir etwas Persönliches von uns teilen möchten oder nicht. Diese Entscheidung sollten wir also auch allen anderen Menschen überlassen und diese respektieren. Solltest du zu diesem Thema eine negative Erfahrung gemacht haben oder sich – z.B. in Vorbereitung auf Ihr Coming-out – ein unabhängiges, vertrauliches Gespräch wünschen, kannst du gerne die hier hinterlegten Ansprechpersonen kontaktieren. Sie helfen Ihnen gerne weiter – auf Wunsch auch anonym!
Dieser Artikel wurde von Universität Stuttgart erstellt und zuletzt am aktualisiert.